2012
Mai
21

FAZ Interview zum Thema: „Devisen als neue Assetklasse – Computer geben den Takt vor“

Von  Klaus A. Wobbe
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Klaus A. Wobbe im Interview der FAZ vom 11. Mai 2012, Beilage „Altenative Investments“.

 

Täglich werden umgerechnet rund vier Billionen Euro am Devisenmarkt gehandelt; mehr als das BIP von Deutschland. Nur jeder 20ste US-Dollar wird zur Bezahlung von Waren und Dienstleistungen ausgegeben. Mit 95 Prozent wird spekuliert. Wie beherrscht man diesen Markt?

Bei 95 Prozent Spekulationsanteil jedenfalls nicht mehr mit volkswirtschaftlicher Analyse. Devisen werden heute systematisch gehandelt. Algorithmen fällen die Entscheidung, das heisst präzisen Regeln statt Prognosen darüber, wo der Euro nächsten Monat steht. Das weiß kein Mensch. Algorithmen sind nicht nachvollziehbar. Das macht sie für manche suspekt. Können Sie in den Kopf eines Fondsmanagers schauen und ablesen, nach welchen Regeln dieser sein Urteil fällt? Ob Algorithmen oder Fondsmanager die Entscheidung treffen, macht da keinen Unterschied.


Wie findet man erfolgreiche Regeln?

Durch intensives Testen. Man schaut sich den Kursverlauf von gut 100 Währungspaaren über 20 Jahre an und sucht nach wiederkehrenden Mustern; zum Beispiel den Ausbruch aus Seitwärtsphasen oder die Wende nach Extremsituationen.


100 Währungen? klingt viel.


Erfolgreiche Algorithmen müssen generalisierungsfähig sein, das heisst unabhängig von einer Währung Erträge generieren. Was nützt mir ein „Maßanzug“ für Euro-Dollar, der bei anderen Währungen nicht passt. Nur wenn ein Algorithmus bei Dutzenden von Währungen gleich gute Ergebnisse liefert, ist er robust und auf Marktänderung vorbereitet.


Keine Aktien oder Renten. Warum gerade Devisen?


Institutionellen Kunden suchen nach neuen Renditequellen; kein Wunder beim derzeitigen Zinsumfeld. Sie nutzen Strategien für den Eigenhandel oder um sie als Fonds und Zertifikat zu verbriefen. Die Finanzkrise hat ihnen gezeigt: Hohe Liquidität und geringe Wertschwankung sind sehr wichtig. Im Devisenmarkt kann ich breit diversifizieren und dreistellige Millionenbeträge innerhalb von Minuten umsetzen – zu minimalen Transaktionskosten. Machen Sie das mal mit Aktien oder Anleihen.


Ist ein Portfolio von Devisen nicht riskanter als Anleihen?

Im Gegenteil. Wenn Sie mit den unterschiedlichsten Algorithmen ein Portfolio von mehr als 100 Währungspaaren handeln, sind die Schwankung und der maximale Kursverlust (Drawdown) niedriger, als bei einem klassischen Anleiheportfolio. Sie reduzieren Volatilität zugunsten der Kontinuität Ihrer Erträge. Das lässt Kunden gut schlafen.